Categories Menu

54 Als wir noch nicht wussten, dass Hegel Rassist und Kolonialist war

Was lange verborgen blieb, wird nun entdeckt: Hegel war Rassist und ohnehin bekennender Kolonialist. Er teilt dieses betrübliche Schicksal mit Kant und anderen deutschen Philosophen, was wiederum das antirassistische Gemüt heutiger Jungphilosophen in heftige Wallung bringt. Das in Deutschland mittlerweile gesuchteste Verbrechen (Rassismus und so) lasse sich im Fall Hegel an seinen Werken eindeutig nachweisen: Schwarz auf Weiß, wie uns treuherzig versichert wird.

Junge deutsche Philosophen haben ein lukratives Beschäftigungsfeld gefunden: Wer jetzt noch schweigt und nicht mitforscht an einem der wichtigsten philosophischen Projekte der Gegenwart, stehle sich aus unserem edlen Bunde. So „geht nun Philosophiegeschichte:“ Verschworene decken eine Verschwörung auf: der wahre Hegel wurde uns vorenthalten. Ob sich diese aktuelle Hegel-Deutung allerdings gegen den akademischen und außerakademischen Mainstream der Hegel-Deuter und Hegel-Weiterdenker durchsetzen wird, steht noch dahin. Der angesagte Kampf scheint erst noch ganz am Anfang zu stehen.

Noch bis gestern galt die gemütliche Devise: Was an Hegel (und Kant und den meisten Philosophen der Philosophiegeschichte) als „rassistisch“ und „kolonialistisch“ auffiel, – wohl schon seit mehr als hundert Jahren, – das wurde bisher unter „zeitbedingte Eigenheiten“ des Philosophierens aller Zeiten aller Philosophen abgelegt. Eine Routine-Handlung aller Philosophen-Deuter, die eine lange Tradition hinter sich wußte.

Schon Aristoteles und Platon zeigten gedankenlose Anhaftungen an ihre Kulturen, auch sie lebten nicht außerhalb ihrer Zeit, auch sie teilten deren Vorurteile und Grundeinstellungen. Noch weniger konnten sie erahnen, welches Philosophieren nach ihnen in der Geschichte erscheinen würde. Welche Arten und Unarten von Philosophie dereinst noch das Licht der Welt erblicken werden. Kaum einen Philosophen dürfte die visionäre Vermutung erleuchtet haben, eines Tages könnten ein kämpferischer Antirassismus und ein totaler Antikolonialismus auf der Bühne des Philosophierens das Hauptprogramm bestreiten wollen.

Schon der Gedanke einer Gleichheit aller Menschenrassen und aller Kulturen der Menschheit wäre ihnen als absurde Annahme verrückter Denker erschienen. Sie wußten noch nicht, was wir, Kinder einer vollends durch richtige Wissenschaften und politische „Weltanschauungen“ aufgeklärten Welt, wissen: Alle sind gleich und hätten eigentlich immer schon gleich sein können, hätte man nur von Anfang an die Maximen der neuesten, der letztgeborenen Philosophie befolgt. (Ähnlich dozierten Marxisten: wenn die Menschheit gleich anfangs die Prinzipien der kommunistischen Verteilungsgerechtigkeit gefunden und durchgesetzt hätte, wäre ihr der schier endlose Gang durch unzählige Klassenkämpfe erspart geblieben. Und auf das Opium Religion hätte man gleichfalls Verzicht leisten können.)

Der Geburtsfehler der zu früh Geborenen scheint unheilbar zu sein: Sie wissen noch nicht, daß sie entweder noch nichts oder nur Falsches wissen. Ohne Geburtsfehler scheinen nur die Zuletztgeborenen das Licht (auch der philosophierenden) Welt zu erblicken. Ein Gedanke, der freilich die Drohung enthält, eines Tages könnten die Schöpfer der jetzigen Kulturrevolution ebenso auf dem Altar einer späteren Revolution geopfert werden.

Jene unvermeidlichen Anhaftungen an den Geist ihrer Zeit, die schon mit der individuellen Sprache jedes Philosophen beginnen, wurden bislang intuitiv als tote Kleider aussortiert. Denn, wie schon Benedetto Croce formulierte, „das Lebende in Hegels Philosophie“ allein sei des aktuellen Philosophierens der Nachgeborenen würdig. Das „Tote in Hegels Philosophie“ wäre demnach nur Stoff für totgeborene Philosophen, auch wenn diese sich rühmen dürfen, die Zuletztgeborenen zu sein. Deren Ruhm wird noch wachsen, denn die antirassistischen Zuletztgeborenen von heute wissen sich zum Tribunal über alle früheren Philosophen berufen.

Träfen sich die Seelen der verstorbenen Philosophen heutzutage beim himmlischen Wiener Heurigen, könnten sie daher beschwingt das Hohe Lied der Vergänglichkeit anstimmen: „Es wird der Rassismus sein, und wir werden nimmer sein.“

Die Methode der Denunziation hat es leicht. Hegels empirische Irrtümer, dem Kenntnisstand seiner Zeit und beispielsweise Hegels temporärer Anlehnung an ideale Zahlenreihen geschuldet (die Zahl der Planeten sei ontologisch vorausberechnet), werden aus der „untersten Lade“ ausgekramt. (Daniel James (Düsseldorf) und Franz Knappik (Bergen): Das Untote in Hegel: Warum wir über seinen Rassismus reden müssen. https://www.praefaktisch.de/?s=Das+Untote+in+Hegel&submit=Suchen)

Ebenso sein „rassistischer“ Vorwurf an die subsaharischen Afrikaner, sie hätten unter grausamen Despotien gelebt, doch ihr kindlicher Geist habe sie gehindert, die Gewaltsysteme ihrer Kultur zu überwinden. (Als ob Stammesgesellschaften vormoderner Kulturen sich jemals durch sich selbst zu modernen Staatsvölkern hätten emanzipieren können). Egal, Hegels ehrenrührige Beleidigung der edlen Afrikaner, die bis vor Kurzem noch anders genannt werden durften, ist unverzeihlich, heute müßte er dafür vor ein nicht nur philosophisches Standgericht gestellt werden.

Nicht besser steht es bei Hegel um die geistige Zurückgebliebenheit der indigenen Völker Amerikas, und nicht auszudenken, was die Hegel-Cancel-Kanzlei der philosophierenden Antirassismus-Rassisten noch an „philosophischen“ Verbrechen in Hegels Geschichtsphilosophie finden wird: Myriaden unentdeckter, unaufgearbeiteter und unbewältigter Rassismus-Skandale schlummern noch ihrer fröhlichen Entdeckung entgegen. (Eine Lawine neuer Forschungsaufträge wird losgetreten, und kein Anti-Hegel-Airbag wird die Verschütteten retten.)

Das gezielte Außerhalb-des-Zusammenhangs-Zitieren wird neue Forschungsmethode: Hegel habe die Sklaverei in den europäischen Kolonien als Vorstufe von Zucht und Bildung bewertet. Und als vorläufiger Gipfel der kriminellen Energie Hegels: er habe tatsächlich geglaubt und auch noch gedacht, der „europäische Kolonialismus sei als Ausweg aus dem Armutsproblem der industriellen Revolution“ konzipiert worden.

Virtuos werden die bekannten Versatzstücke der aktuellen Rassismus-Ideologie in eine vernichtende Rückprojektion in die politische und in die Philosophiegeschichte einmontiert, um die Demontage eines Philosophen erfolgreich abzurunden. Gelungen der Streich der modernen Liliputaner der Philosophiegeschichte, einen ihrer Riesen niederzuknüppeln.

Doch der Preis auch dieser Aktivisten-Aktion ist hoch, wie sich zeigen wird. Hegels Wort über die Kammerdiener der Heroen der Weltgeschichte, die deren Wert nicht kennen können, weil sie ihnen zu nahe und allzu alltäglich begegnen, stellt sich als unwillkürliche Erinnerung ein. Nun aber um ein Vielfaches gesteigert, denn die Liliputaner des Rassismus waschen nur noch die Schmutzwäsche ihres abgesetzten Helden. Während der frühere Kammerdiener noch weiß, daß sein Herr in der großen Welt als großer Herr anerkannt wird, sind die neuen Nicht-mehr-Diener scheinkluge Neuherren und Besitzer einer neuen Wahrheit geworden, die allerdings keine nie gewesen ist.

Was die neuen Herren einzig und allein interessiert, konnte die gerügten Philosophen nicht einmal am Rande interessieren, gleichfalls nicht alle Hegeldeuter und Hegelkritiker bis heute, Schopenhauer und Nietzsche, Marx und Genossen eingeschlossen. Sie wußten noch zwischen „Totem“ und Lebendigem in Hegels Philosophie exakt zu unterscheiden. Daß diese Unterscheidungsfähigkeit rapide erodieren muß, wenn die kleinen, nun aber massenhaft arbeitenden Totengräber Hegels die Deutungshoheit übernehmen, ist unschwer vorauszusehen. Ein Philosophiestudent des Jahres 2040 würde eines Kompasses bedürfen, den er vergeblich suchen könnte.

Die Unterstellung, die Kolonialmächte Europas hätten kolonisiert, um die eigene Armut abzufedern, die mit der industriellen Revolution über die Erste Welt gekommen war, ist nicht nur eine ebenso raffinierte wie naive Synthese von Marxismus und Rassismus-Ideologie. Sie läßt sich vor allem mühelos an die aktuellen Ideologien anschließen, die Europas künftige Existenz von innen und außen bedrohen: Fundamentalistische Gleichheits-Ideologie und Klimanotstands-Ideologie, Gender-Ideologie und Kampf-Feminismus, Mehrere-Geschlechter-Ideologie und last not least: No-Border-Ideologie.

Wie schon die deutschnationale Ideologie in den 20er- und 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts und ebenso die kommunistische Ideologie davor und danach, ist auch die neue Ideologie der Gegenwart eine Sammelideologie vieler Sub-Ideologien. Diese stehen wie gut bestückte Lokomotiven im großen Warte-Bahnhof bereit. Fehlt nur noch das genaue Datum der Abfahrt zur großen Machtübernahme. Und ein gemeinsamer Groß-Name, um das Kollektiv der begeisterten Avantgarden von heute zur Gesamtmenschheit zu erweitern. („Globalismus“?, „Resetismus“?, Egalitismus? Irgendetwas mit Weltempörung oder Welterlösung?)

Die Anhänger der säkularen linksgrünen Religion in Europa dürfen sich jedenfalls freuen und nochmals hoffen: Vielleicht kommt der wahre Kommunismus doch noch, vielleicht ist die total gerechte Weltrevolution, die eine neue Art von Weltkommunismus samt neuem Weltklima, neuen Geschlechtern in großer Vielfalt usf. kreieren wird, noch nicht verloren. Das von Marx angestrebte Ziel einer klassenlosen Gesellschaft war der Güter höchstes noch nicht.

  • Außergewöhnliche Zeiten

In gewöhnlichen Zeiten gilt die Annahme, daß die Nachgeborenen berufen wären, über das Leben und Denken der Verstorbenen moralische Urteile zu verkünden, als abwegig. Das „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet“ gilt bedingungslos.

(Bei den politischen Großtieren hält man sich zwar nicht an diese moralische Maxime, aber Politiker unterliegen schon zu Lebzeiten nicht nur moralischen Forderungen und Ansprüchen.)

In außergewöhnlichen Zeiten ist der moralische Normalfall außer Kraft gesetzt. Jetzt verkünden begeisterte und erleuchtete Gemüter, die Verstorbenen hätten vom Danach ihres Lebens doch wissen sollen, vor allem, wenn sie als Philosophen große Karriere machten und ihre Zeit wirksam beeinflussten. Hätten sie sich um ein richtiges Danachwissen bemüht, wäre auch ihre Gesinnung mit der erleuchteten Gesinnung der Nachgeborenen übereinstimmungsfähig gewesen. (Niemand müßte sich über die falsche Gesinnung verstorbener Philosophen erregen.)  

Mit einem Wort: in außergewöhnlichen Zeiten ist die traditionell unhinterfragte Unschuldsvermutung für verstorbene Philosophen außer Kraft gesetzt. Und bei Philosophen, die bekanntlich das Gras wachsen hören, ist der Skandal noch größer, ist deren Schuld noch verwerflicher. Behaupteten doch einige unter ihnen, auf die Geschichte der Menschheit wäre die Perspektive einer „sub specie aeternitatis“ möglich. Wie beispielsweise Karl Marx, der schon zu Lebzeiten wußte, daß der Kapitalismus kollabieren und der Weg zur klassenlosen Gesellschaft mit dem Proletariat als regierendem „Subjekt der Weltgeschichte“ unausweichlich ist.

Da man Hegel aber nicht mehr zu einem Geständnis über sein Versagen vor den Kadi zwingen kann, muß man wenigstens alle jene, die das Verbrechen Hegels immer noch nicht erblicken können, energisch beiseite ziehen und aufklären: Was bislang nur „das Tote“ in Hegels Philosophie war, das hat sich als Übel einer vorweggenommenen Lebendigkeit eines schändlichen Rassismus und Kolonialismus herausgestellt.

Daher müsse man nun ein völlig neues Kapitel der Hegel-Deutung eröffnen. Gemeinsam werde man schaffen, was bisher noch nicht geschafft, ja noch nicht einmal als Problem gesehen wurde: Hegel war ein übler Rassist und verblendeter Kolonialist. Einer, der zwar über den Fortschritt in der Geschichte schrieb und diesen sogar mit dem Sinn von Geschichte – zu immer höherer und tieferer Freiheit – gleichsetzte, doch offenbar nur im blendenden Gewand pathetischer Sonntagsätze und Sonntagsgedanken, – sonst aber einem ganz anderen Hintersinn ergeben war.

  • Marx und Hegel. Neue und alte Erlöser

Keineswegs läßt sich Marx‘ Lehre als Vorläuferin der aktuellen „Hegelreinigung“ interpretieren. Denn Marx kämpfte noch gegen den lebendigen Geist der damaligen Hegel-Schulen, in deren Spektrum sein Denken die äußerste linke Position bezogen hatte: Philosophie sollte die Welt nicht mehr nur interpretieren, als Philosophie der Tat sollte sie die Welt gründlich verändern, – ein- für allemal. Wer dazu nicht bereit war, fand sich als Helfershelfer der Bourgeoise und Überbau-Agent des Kapitalismus wieder.

Ganz anders im aktuellen Fall Hegel: der nun nach dem Fall der vernünftigen Unschuldsvermutung als Rassist anklagbar wird – 200 Jahre nach seinem Tod. Die Marxisten glaubten Hegel und den Seinen noch ein falsches Bewußtsein nachweisen zu können, weil sie das neue wahre Bewußtsein entdeckt und geerbt hatten. Hegels Versagen lag somit nur darin, die kommende Wahrheit noch nicht erkannt zu haben, jetzt aber stellt sich heraus, daß er die wahre Zukunft gleichfalls nicht erkennen konnte.

Die „Identität“ des verstorbenen mit dem jetzt als „Geist“ auf der antirassistischen Anklagebank sitzenden Hegel verdankt sich offenbar einer epochenübergreifenden „Identitätspolitik“, deren Tribunale, trotz offensichtlicher Infantilität, umso wirksamer tätig sind. Denn ihre Art von falschem Bewußtsein ist so alt wie die der Menschheit immerwährend angeborene Dummheit.

Die heutige Ideologie ist nicht weniger, sondern noch tiefer und höher erleuchtet als die politischen Offenbarungen derer, die ein Tausendjähriges Reich Deutscher Nation oder das endlose Paradies einer klassenlosen Gesellschaft unter der Führung einer internationalen Arbeiterschaft verkündeten. Die katastrophalen Folgen dieser beiden Erleuchtungsideologien kennen wir, die der dritten noch nicht, von ihr dürfen wir uns noch überraschen lassen.

Wie beispielsweise Luther vom Nationalsozialismus und vom ostdeutschen Kommunismus als glorreicher Vorläufer vereinnahmt wurde, ist noch bekannt. Wer widersprach, hatte sich das richtige Zurückdenken in die vorkapitalistische und vorvölkische Geschichte noch nicht vollständig einverleibt. Über ihn wurde eine säkulare Inquisition verhängt. Und verschärft, wenn er es wagte, die rückwirkende Macht des neuen Weltgerichtes als Unfug zu verspotten.

Auch die gegenwärtige Erlösungsideologie lechzt nach einen Weltgericht, das als rückwirkende und richtende Inquisition über die gewesene Geschichte tätig werden soll. Sünder aller Epochen, sammelt Euch zum Gericht, der Großinquisitor erwartet Euch.

So stehen die Dinge heute, am Anfang eines neuen großen Kampfes der Erleuchteten gegen die Verblendeten. Diese sind nicht mehr nur die „Ewig-Gestrigen“, denn sie sind nun als reinrassige Unmenschen durchschaut. Und jene sind nicht mehr nur die Schöpfer Tausendjähriger Reiche und kommunistischer Menschheits-Verbrüderungen, denn die Jetzt-Erleuchteten wissen sich aus eigener Erfahrung als neuheilige Übermenschen einer neuen Menschheitsreligion.

Unvergeßlich, wie Anatole France die Lage an den Pariser Revolutionstribunalen schildert: bisherige Freunde sitzen einander als Ankläger auf Tod und Verurteilte zum Tod gegenüber. Unvergeßlich, wie Stalin seine besten Parteifreunde „neutralisieren“ mußte, – sein wissenschaftlich erleuchtetes Gewissen ließ ihm keine Wahl. Die durch die neue Vernunft Erleuchteten mußten die Unerhellbaren und Rückfälligen in ein nicht mehr christliches Jenseits befördern.

In der katholischen Inquisition (später auch in der protestantischen unter Calvin) mußten die verblendeten Häretiker zum wahren Glauben, zum wahren Christ-Sein mithilfe peinlicher Mittel erst noch zurückgeführt werden. Und wenn sie das „peinliche Befragen“ nicht überlebten, war wenig für die heilige Wahrheit verloren. Auch nicht für die Ermordeten, waren sie doch im Namen der alleinseligmachenden Wahrheit zur Seligkeit „gestäubt“ worden.

Auch als Tote hatten sie die unsterbliche Unschuld ihres wahren Glaubens wieder gewonnen. Das Fegefeuer ihrer Qualen und Ängste, ihrer unerträglichen Schmerzen und Verzweiflungen hatte sie von aller Schuld und Ketzer-Verirrung befreit. Der Inquisitor konnte sich mit bestem Wissen und Gewissen dem nächsten Fall zuwenden.

Indem sich die Antirassisten und Antikolonialisten von heute als ultima ratio des globalen Fortschritts deuten, denken sie noch unter dem Schutzmantel des Hegelschen Fortschrittsprinzip der Geschichte. Indem sie aber nun den vermeintlicher Erfinder des Fortschritts fesseln, wie Gullivers Zwerge denselben, haben sie die letzte Ahnenhaftung abgeschüttelt. Jetzt wird aus dem Vollem geschaffen, jetzt wird aus einem neuen ersten Anfang erschaffen. Auch Mann und Frau sind nun gefallene Instanzen, auch deren sittliche Ehe-Institution mußte der neuen Inquisition weichen. Auf Reinigung und Sühne warten noch viele weitere Verbrechen des „ewiggestrigen“ Geistes einer noch unwissenden Menschheit.

Leo Dorner Juni 2021