115 Trump dixit, Trump fecit, und die oft überraschenden Abgründe dazwischen
Zehn bis Vierzehn Tage wird die nächste Angriffswelle gegen Iran dauern. Trump dixit. Innerhalb der Entscheider-Eliten im Iran wird man nun neuerlich genauestens überlegen: Wie reagieren, wie kann man dem Großen Satan, der unseren heiligen Gottesstaat immer wieder beleidigt, bestrafen? Alle unsere bisherigen Strafen haben nicht geholfen. Auf jeden Fall müssen wir gegen die US-Basen in unseren sunnitischen Nachbarstaaten aktiv bleiben. Und auch unsere Freunde im Jemen und im Irak sollten wir beharrlich animieren und lukrativ alimentieren. Israel sollten wir eher in Ruhe lassen, aber natürlich mit starken Drohworten beschweren. Allahs Rache schläft nicht.
Trump dixit: Die gestrige Bomber-Nachtwelle hatte die doppelte Intensität der vorigen, mit der die vorerst letzte Welle vor einer halben Woche abgeschlossen wurde.
Einige Mullahs und Generäle werden nun (hinter vorgehaltener Hand, weil sie ihren Kopf nicht unter ihrem Arm herumtragen möchten) besorgt fragen: Wie lange kann unsere glorreiche Republik von Khomeinis Gnaden noch durchhalten? Antwort der linienstramm Denkenden: auf ewig und immer, denn der Prophet steht hinter uns,- so nahe wie noch nie zuvor.
Auch an unserer Front im Libanon und in Gaza müssen wir die Hisbollah und die Hamas vermutlich noch stärker unterstützen, um den neuesten Machenschaften der beiden Satans Widerstand zu leisten.
Immerhin ist es uns erstmals gelungen, Ägypten anzugreifen, peinlicherweise in der Gegend von Damiette am Nil, wo der Stein von Rossette gefunden wurde, dessen Hieroglyphen ein Freibeuter und Super-Kolonialist aus Paris (ohne uns um Erlaubnis zu bitten) entziffern ließ.
Derweilen geht auch die Suche nach neuen Freunden weiter, die in die Wiederaufrüstung unserer arg lädierten Armee investieren könnten. China hat bereits die Lieferung von Hunderten von „Manpads“ (Kurzstrecken-Luftverteidigungswaffen) zugesagt. Astronomische Dollar-Summen werden fällig, aber die militärischen Beziehungen zu China „vertiefen“ sich. Täglich aufs Neue wiederholt sich dennoch die Furcht, der große Satan könnte mit Landtruppen angreifen.
Der nahe Nachbar Israel hegt andere Befürchtungen: Der Iran könnte versuchen, die geplante Saudische Pipeline zum Roten Meer anzugreifen, wo die Houthis die Enge bei Bab al-Mandeb bereits erfolgreich abgeriegelt haben. Bald könnte auch der internationale Schiffsverkehr durch den Suez-Kanal ein Sicherheitsproblem werden, das die „Weltgemeinschaft“, oder was von ihr noch übrig sein wird, lösen wird müssen, – ob durch neue „Deals“, wird immer fraglicher.
Israel schlägt eine neue Lösung vor: eine Pipeline durch Jordanien und Israel, entweder mit einer nach Griechenland weiterführenden oder mit einer Tanker-Verschiffungslösung, die gleichfalls den heißen neoosmanischen Brei in der heutigen Türkei umgehen würde. Und sollte der Iran versuchen, auch dieses Versorgungs-System anzugreifen, verfüge man über genügend „huge power to counter-attack.“ Aber die dazu benötigte Zusammenarbeit der beteiligten Nachbarstaaten (Abraham Accord!) würde die Gründung eines neuen Palästina-Staates mitten in Israel wohl eher aus- als einschließen.
Man sieht: Langeweile ist im Nahen Osten nicht in Sicht. – In den USA suchen unterdessen die Demokraten nach einem „neuen Obama“. Aber ihr Basislager ist zerstritten und in Separat-Lager zerfallen. Der neue Obama müßte daher, ehe er eine überzeugende Anti-Trump-Politik ausfindig macht, sein selbstüberzeugtes „Yes we can“ für die eigene Partei-Stabilisierung mobilisieren können. Auch überm Teich ist keine Langeweile in Sicht.
Bliebe noch Europa als Ort einer letzten Zuflucht. (Wäre nicht Merkel mit ihrer Mitläufer-Legion durchgezogen.)
Leo Dorner, August 2026